Gesellschaft

Viele Ausländer befürchten, dass in der japanischen Gesellschaft hunderte Fettnäpfchen auf sie warten und Japaner über jeden Fehltritt sehr verärgert sind. Im Alltag kann man jedoch entspannen. Zwar spielt die Etikette in Nippon unbestritten eine sehr große Rolle, aber kein Japaner er­wartet, dass Ausländer sich formvollendet verbeugen oder stilsicher mit Essstäbchen hantieren.

 

Viel wichtiger als solche Details ist in der japanischen Gesellschaft das respektvolle, umsichtige Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Die zwischenmenschliche Harmonie spielt eine heraus­ragende Rolle. Kritik wird deshalb nie direkt geäußert, auch widersprochen wird nicht. Ausweichende Floskeln bedeuten zwar nichts anderes als Widerspruch, ein direktes "das stimmt aber nicht" wäre jedoch in der japanischen Gesellschaft undenkbar.

 

Kritik ist tabu, Respekt und Geduld wichtig

Als Ausländer ist man gut beraten, sich diesem Verhalten so weit wie möglich anzupassen und die Harmonie in der Gesellschaft nicht zu stören. Konkret heißt das: Kritik an seinem Gegenüber sollte man sich möglichst verkneifen. Allzu kritische Meinungen über Japan, seine Ge­pflogenheiten, seine Politik und seine Kultur hält man besser zu­rück, bis man den Gesprächspartner sehr gut kennt. Auch negative Gesichtsausdrücke, wie Augenrollen, genervtes Stirnrunzeln oder ein ungeduldiges tiefes Ausatmen sollte man in der japanischen Gesellschaft vermeiden. Dies wäre nicht nur beleidigend, sondern wird auch als Mangel an Selbstbe­herrschung gewertet, die in Japan eine wichtige Tugend ist.

 

Darüberhinaus sollte man seinen Gesprächspartner nicht gerade heraus verbessern - schon gar nicht in Gesellschaft anderer, denn das hätte einen Gesichtsverlust des Kritisierten zur Folge und würde für eine peinlich berührte Stimmung unter allen Anwesenden sorgen. Stattdessen lässt man lieber so oft es geht die Neun eine gerade Zahl sein. Das gilt vor allem in Diskussionen. Die deutsche Leidenschaft, die Dinge bis zum bitteren Ende auszudiskutieren, teilen die Japaner nicht. Wer auf seinem Recht beharrt und immer weiter argumentiert, gilt als nervtötender Besserwisser. Vermutlich werden die Japaner in diesem Fall irgendwann gar nichts mehr sagen. Spätestens dann wechselt man lieber schleunigst zu einem anderen Thema.

 

Auf gar keinen Fall sollte man in der japanischen Gesellschaft laut werden und seiner Wut Ausdruck verleihen. Japaner sind es gewöhnt, Dinge ruhig und mit Respekt vor dem anderen zu klären. Zudem ist es ratsam, die Gesprächspartner nicht mit ständigen Nachfragen auf eindeutige Meinungsäußerungen festzunageln. Das beginnt schon bei Kleinigkeiten im Alltag. Wer seinen japanischen Kollegen oder Freund beispielsweise immer wieder fragt, in welchem Restaurant er gerne essen möchte oder was man denn mal zusammen unter­nehmen könne, wird zum einen selten eine klare Antwort erhalten. Zum anderen wird man bei seinem japanischen Gesprächspartner großes Unwohlsein auslösen, da viele Japaner die Sorge haben, sie könnten etwas entscheiden, was der andere nicht möchte.

 

Am besten stellt man daher mehrere Vorschläge zur Auswahl und bleibt sehr geduldig. Geduld ist ohnehin immer wieder gefragt in der Gesellschaft der langwierigen Konsenssuche. Mit Ungeduld oder gar auf­brausendem Verhalten erreicht man in Japan gar nichts.

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